Titel: Filmkritik zu Sully – Eine außerordentliche Geschichte
Der Film, der den Unfall des US-Airways-Flugs 1549 beschreibt – Sully: Hudson Miracle – kam gestern offiziell in die japanischen Kinos. Als Flugbegeisterter musste ich natürlich am selben Tag die IMAX-Version sehen und habe meine Gedanken kurz festgehalten.
Die Geschichte um Flug 1549 ist allgemein bekannt, die Handlung nicht komplex, daher spare ich mir hier eine längere Einführung. Die folgenden beiden Blog-Artikel enthalten gute Erläuterungen, auf die ihr gerne verweisen könnt: Infos zu Sully (Hudson Miracle) Sully – Erste Eindrücke
Ich finde, das Highlight dieses Films ist seine Präzision und der Realismus. Der Kapitän wird nicht als übermächtiger Held dargestellt, sondern vielmehr seine Sorgen als gewöhnlicher Mensch beschrieben. Wie der Kapitän selbst sagte, ist das Hudson-Miracle ein Beispiel für das gelungene Zusammenwirken von Hunderten von Menschen vor Ort; der Film stellt diesen Aspekt sehr heraus. Am wichtigsten aber ist alles rund um das Fliegen selbst: die Zelle, die ATC-Kommunikation, das Cockpit, das Verhalten der Crew und der Passagiere. Diese Details sind nahezu perfekt, es gibt praktisch keine übertriebenen CGI-Effekte.
Laut einem Interview mit dem Regisseur auf Japanisch – Flugzeug gekauft! Clint Eastwoods ultra-reale Inszenierung, haben sie für den Film einen echten A320 gekauft. Kein Wunder, dass die Ausrüstung im Flugzeug so echt wirkt. Regisseur Eastwood war in jungen Jahren bei der Air Force; mit 21 erlebte er selbst eine Notwasserung auf dem Meer. Er erinnert sich noch an das Einschlagen mit hoher Geschwindigkeit und daran, im Wasser zu schwimmen, um zu entkommen. Ich glaube, gerade diese Faktoren haben dazu geführt, dass der Film so sorgfältig produziert wurde.
Übrigens: In vielen aktuellen Filmen und Serien zum Thema Flugzeug sind vollgestopft mit schlampig gemachten Szenen: Zum Beispiel ein und dasselbe Flugzeug, dessen Kabine mal ein einspuriger schmaler Rumpf ist, kurz darauf ein zweispuriger breiter Rumpf; oder ein Propellerflugzeug aus den 1960ern, dessen Cockpit plötzlich moderne Glasinstrumente hat; Kabinenausstattung, die offensächlich handgemachte Requisiten aus einem Filmstudio sind; holprige Steueraktionen, als ob man im Autoscooter fährt; übertriebenes Rütteln der Zelle, übertriebene Schauspieler-Minen – immer wieder unangenehm.
Zum Glück gibt es in diesem Film solche lächerlichen Bilder nicht. Vielleicht ist es für Zuschauer, die die oben genannten Katastrophenfilme gewohnt sind, nicht spannend genug, aber für mich persönlich war es ein riesiger Genuss.
Zwei kleine Kritikpunkte, aber beide nicht gravierend. Einmal wirkt die Darstellung der NTSB etwas steif und klischeehaft – für die Handlung brauchte man vielleicht einen Kontrahenten, aber man hätte sie nicht so übertrieben negativ zeichnen müssen. Zum anderen: Die Startsequenz des APU ist im Film doch sehr laut; der IMAX-Ton mag da sehr gut sein, aber ich glaube, in der Realität ist er nicht ganz so ohrenbetäubend.
Tom Hanks ist einer meiner Lieblingsschauspieler; ich glaube, die letzten Jahre habe ich fast all seine Filme gesehen.
In Forrest Gump endet Gumps Durchquerung der USA am Santa Monica Pier.
Ich war letzten Monat genau dort – ein Foto vor Bubba Gump Shrimp.

Der A320 ist ein Flugzeugtyp, den ich mag; ich habe auch schon auf einem festen Flugsimulator geübt.
Ich hatte außerdem Gelegenheit, auf einem Full-Flight-Simulator für den A320 zu fliegen (genau dasselbe CAE-Produkt wie im Film); aus Datenschutzgründen veröffentliche ich dazu aber keine Bilder.
Am Ende sagt der Copilot: “If you have to do it again, I would’ve done it in July.” Wirklich humorvoll – Daumen hoch.
Weitere Materialien, darunter der Untersuchungsbericht der NTSB sowie die Fluginstrumentendaten der Notwasserung. http://www.exosphere3d.com/pubwww/pages/project_gallery/cactus_1549_hudson_river.html
Aircraft Performance Group Chairman’s Aircraft Performance Study by John O’Callaghan
USAirways 1549 (AWE1549), January 15, 2009 FAA Air Traffic Control communications