C172-Flugsimulator-Erlebnis von Anabatic Simulation
Im Tokyoter Raum gibt es zwei kleine Unternehmen mit stationären Flugsimulatoren,
die Flugbegeisterten und Flugschülern Einblicke in Boeing 737NG und Airbus A320 bieten.
Von der Ausstattung her schätze ich ihre Investition auf etwa 200.000 US-Dollar,
das bedeutet ein relativ realistisches Cockpit und elektronische Instrumente,
aber kein Full-Flight-Simulator; es gibt keine freie Bewegung um 3 Achsen.
Schließlich sind die Full-Flight-Sims, mit denen Fluggesellschaften ihre Piloten trainieren, extrem teuer;
ein einzelner kostet mehrere zig Millionen Dollar.
Der Preis für Simulatortraining bei diesen beiden Firmen liegt bei fast 20.000 Yen pro Stunde.
Ich interessierte mich zwar, fand es aber recht teuer, war also bisher noch nie dort.
Letzte Woche stieß ich zufällig auf Twitter auf ein neu eröffnetes kleines Unternehmen in Kyōto mit einem C172-Simulator,
der Preis war sehr günstig, also buchte ich online eine Stunde Flug.
Die Firma heißt Anabatic Simulation und liegt westlich des Stadtzentrums von Kyōto.
Mit der Hankyū-Bahn von Kawaramacht braucht man etwa zehn Minuten,
dann noch einmal zehn Minuten zu Fuß – die Anbindung ist recht bequem.
Das ist der Eingang; man sieht das Eröffnungsdatum vom 24. August.

Hinter der Tür sieht man die schwarze Außenwand des Simulators.

Der Inhaber wirkt wie ein Mitte 20-Jähriger.
Zuerst unterhielt ich mich mit ihm über die Entstehung des Ladens.
Herr Y. ist Absolvent der Chūbu Nihon Kōkū Senmon Gakkō,
einer Fachschule für Flugzeugtechnik (etwa vergleichbar mit einem College).
Er selbst ist Flugsim-Enthusiast und ursprünglich wollte er bei einer Airline
im Bereich Trainings-Simulatoren arbeiten, doch aus verschiedenen Gründen kam nichts daraus.
Später sollte eine C172 der Schule, die zu Unterrichtszwecken diente, wegen Alters verschrottet werden.
Er kontaktierte die Schule und bekam den Rumpf dieser Cessna 172K mit dem Kennzeichen JA3458 geschenkt.
Mit dem Rumpf verbrachte er fast ein Jahr aus eigener Tasche mit Umbauarbeiten,
baute viele Teile per Hand, bis es endlich soweit war.
Daraufhin eröffnete er die Firma, um Flug-Sim-Fans Dienstleistungen anzubieten.
Wirklich respektenswert seine Leidenschaft fürs Fliegen und seine handwerkliche Präzision.
Übrigens habe ich letzten Monat hier über den Absturz der JA4060 PA-46 Malibu auf dem Flugplatz Chōfu berichtet.
Herr Y. kannte den verunglückten Kapitän Kawamura und hatte ihm sogar bei Reparaturen an dessen Trainings-Sim geholfen.
Laut Herrn Y. investierte er viel Mühe in die Kraftrückkopplung der Steuerknüppel.
Konkret: Abhängig von Fluggeschwindigkeit und Trimmzustand
steuert ein mit Raspberry Pi und 3D-Drucker gefertigter Bauteil die Kräfte.
So ändern sich Roll- und Nickkräfte basierend auf Berechnungen.
Auch bei Turbulenzen wird die Rückmeldung an den Steuerknüppel getreu reproduziert.
Nach über einer Stunde实战 fühlte sich dieser Teil wirklich herausragend an –
ein Abschluss der Luftfahrtinstrumententechnik macht eben einen Unterschied.
Drinnen sieht man: ein aus einem echten C172-Rumpf umgebauter Simulator.


Von vorne durch die Sichtscheibe: Grundinstrumente, Control Panels – alles vorhanden.

Der Motor wurde entfernt; den Motorraum nutzte er für die Kraft-Rückkopplungseinheit des Control Panels.

Im hinteren Gepäckraum befinden sich Lautsprecher usw.

Der Bildschirm ist ebenfalls DIY: zwei Projektoren werfen die Computerausgabe auf eine gebogene Leinwand.

Herr Y. erklärt: Wegen Budgetknappheit nutzen sie aktuell zwei Projektoren und zeigen nur Blick nach vorne.
Wenn die Finanzen es zulassen, soll ein 360°-Panorama entstehen – deutlich realistischer.
Auch die Ausrichtung der beiden Projektoren nahm viel Zeit in Anspruch;
schon kleine Vibrationen führen zu Versatz. Künftig braucht es stabilere Halterungen.
Nach der Gerätebesichtigung gingen wir in das Cockpit und stellten die Sitzposition ein.
Die Zelle ist zwar alt, aber innen wurden kaum große Änderungen vorgenommen,
also fühlte ich mich fast sofort wohl.
Einzig die Sitzhöhe fiel etwas anders auf; bei diesem sehr alten 172K
wirkt sie niedriger als bei einer 172SP, der Sichtwinkel etwas seltsam.
Man muss etwas nach oben schauen – vermutlich typisch für damaliges Design, lässt sich kaum ändern.
Die Panel-Bereiche sind weitgehend im Originalzustand erhalten.

Zu beachten: Hier stammen einige Grundinstrumente von simkits.com,
optisch kaum zu unterscheiden, aber sehr hochwertig nachgebaut.
Alle Instrumente sind per USB mit dem Computer verbunden.
Übrigens: Die Software ist Prepar3D –
die hatte ich noch nie genutzt, also ein guter Anlass zum Ausprobieren.
Auf dem linken Kapitänssitz starteten wir auf dem Flughafen Yao
für einen Rundflug nach Kyōto.
Die Sicht nach vorne war klar und das Bild recht ansprechend.
Die Wolken in Prepar3D wirken deutlich besser als in X-Plane.

Start: Tankwahl auf Both, Strom an, Mixture Rich, Throttle leicht vor,
Zündung, Taxi, Start – bis dahin recht glatt.
Herr Y. griff kaum ein; ich steuerte alleine.
Wir redeten beim Fliegen, und es war ein guter Austausch.
Das Schöne am Sim: sicher, ohne Stress, einfach genießen.
Steuergefühl: Wie erwähnt, Roll- und Nickruckkopplung sehr realistisch,
wenn auch etwas verzögert –不清楚 ob Software oder Hardware.
Beim真机 reagiert es oft etwas direkter.
Gier (Yaw) schien noch träger; Dämpfung etwas gering –
schnell übersteuert, vielleicht eine Frage der Gewöhnung.
In Osaka kenne ich die Topografie ganz gut, ohne Karte ungefähr wissen, wo man ist.
Nordwärts ging's schnell nach Kyōto.
Über der Stadt ein Rundflug – rechts die Innenstadt.


Der Chef ist Ortsansässiger: Kyōto-Turm, Arashiyama, Kamo-Fluss –
er zeigte mir alles.
Zurzeit nutzen sie Standardgelände in Prepar3D mit wenigen 3D-Gebäuden,
doch Lage von Bergen, Straßen, Seen ist recht präzise.
Ich brauche keine ultra-hochauflösenden Geländedaten; diese Qualität reicht mir völlig.
Wetter wird per METAR in Echtzeit geladen – blauer Himmel, viele Kumuluswolken;
das Wetter kam dem echten Tag sehr nah, der Flug selbst herrlich.
Ein wenig über Kyōto, dann weiter zum Biwa-See,
Rückflug Richtung Osaka; in der Ferne der Flughafen Itami.
Herr Y. schlug vor: Lass uns Touch & Go machen.
In der Realität ist das für die Allgemeine Luftfahrt oft eingeschränkt,
in der Sim-Welt sind wir viel freier.
Von Itami 32L ab, über Downwind weiter südöstlich,
durch Osaka-Osaka-Castle, bald sieht man die Piste von Yao.
Heute war RWY27 aktiv, also Leg 3 Richtung Berg Ikoma.
Doch dann folgte ein Problem: Ohne seitlichen Sichtbezug und Zeitmessung
versagten Timing für Leg 4 und 5 komplett; also durchstarten (Go Around).
Beim zweiten Versuch war die Ausrichtung auf Leg 5 etwas besser,
aber viel zu hoch; Cross Control, Forward Slip,
um die Höhe zu verringern – mit Mühe gelandet.
Das Taxi fiel noch schwerer; Ruderpedale reagieren schnell, also geschlenkert
und schlängelte uns zurück zum Apron.
Gebucht war eine Stunde, wir plauderten so angeregt, dass es wohl anderthalb wurden – peinlich.
Zum Schluss bat ich Herrn Y., den Flug ins Logbook einzutragen, hehe.

Schien, ich sei der erste buchende Kunde seit Eröffnung von Anabatic Simulation.
Die ersten Gäste waren wohl Familie und Freunde – eine Ehre.

Später bummelte ich noch etwas durch Kyōto und schrieb einen kleinen Bericht.
Ende
2015/09/10 UpdateHerr Y. hat in seinem Blog den Simulatorbau dokumentiert – hier geteilt als Referenz.