Ein erneuter Vorfall mit unbefugter Rollbahnbenutzung in Okinawa
Gestern ereignete sich am Flughafen Okinawa-Naha erneut ein folgenschwerer Fehler in der Flugverkehrskontrolle. Da ich gerade erst den Vorfall mit der fehlerhaften Rollbahn-Einfahrt der China Eastern A319 in Okinawa-Naha zusammengefasst hatte, hat dies mein Misstrauen gegenüber der Flugverkehrskontrolle in Okinawa weiter verstärkt.
Selbstverständlich müssen wir den offiziellen Untersuchungsbericht abwarten, was durchaus zwei oder drei Jahre dauern kann. Basierend auf den Medienberichten fasse ich die Ereignisse hier kurz zusammen: Bericht des NHK Bericht der Mainichi Shimbun <a href=http://www.jiji.com/jc/zc?k=201506/2015060300800>Bericht der Jiji Press
- Juni 2015, ca. 13:23 Uhr (genau zur gleichen Zeit wie der Vorfall mit China Eastern oben!) Eine Boeing 737-800 der All Nippon Airways (ANA) mit Ziel Hokkaido-New Chitose (Flug NH1694, 83 Personen an Bord) erhielt die Startfreigabe. Das Flugzeug begann den Startlauf auf der Rollbahn von Nord nach Süd, erreichte eine Geschwindigkeit von 240 km/h und war kurz davor, abzuheben. Doch bemerkten die Piloten wenige hundert Meter voraus plötzlich einen CH-47-Hubschrauber der Luftselbstverteidigungsstreitkräfte, der gerade die Rollbahn querte. Die Piloten führten notgedrungen einen Startabbruch durch, aktivierten die Schubumkehr und das Flugzeug kam erst hinter der Mitte der Rollbahn (3000 m Länge) zum Stillstand. Der CH-47-Hubschrauber hatte die Rollbahn in westlicher Richtung überquert und flog dann auf der Südseite davon.
Bis hierhin verlief das Ganze noch gut: Die ANA-Piloten haben eine Kollision verhindert, was im Grunde ein Happy End war. Doch der weitere Verlauf ist beklemmend: Zu diesem Zeitpunkt befand sich noch eine andere Maschine im Endanflug, eine Boeing 737-400 der JTA (Japan Transocean Air)! Diese Maschine kam von Neu-Ishigaki (Flug JTA610, 44 Personen an Bord) und hatte bereits die Landefreigabe erhalten, befand sich also im Endanflug.
Der Fluglotte dürfte die JTA im Blick gehabt haben und wies die Piloten zum Durchstarten aus. Laut Bericht der JTA-Piloten erhielten sie die Anweisung zum Durchstarten jedoch in einem Moment, als das Flugzeug bereits aufgesetzt war, die Schubumkehr bereits aktiviert war und der Zustand ein Durchstarten unmöglich machte.
Stellen Sie sich die Lage vor: Ein Militärhubschrauber quert die Rollbahn; Auf der Rollbahn bricht eine ANA-Maschine den Start notfalls ab und steht mitten auf der Bahn (3000 m); Eine weitere JAL-Maschine hat soeben aufgesetzt und rast mit hoher Geschwindigkeit auf die in der Bahnmitte stehende ANA-Maschine zu…
Zum Glück gelang es der JTA-737, nach mehr als einem Kilometer Rolllauf zum Stillstand zu kommen, sodass es zu keiner Kollision kam. Ein wirkliches Glück. Nach Medienberichten lag der Abstand zwischen der JAL-Maschine und der ANA-Maschine nach dem Stillstand nur bei 400–500 Metern!!
Laut ersten Ermittlungen hatte der Pilot des Hubschraubers die Startfreigabe für die ANA-Maschine fälschlicherweise als Anweisung an sich selbst interpretiert, weshalb es zum Queren der Rollbahn kam. Die Flugverkehrskontrolle hingegen berichtet, sie habe den Hubschrauber angewiesen, an der Rollbahneinfahrt zu warten.
Zudem lag gemäß dem Luftfahrtaußendienstamt der Wetterbehörde (JMA) in Naha an dem Tag strahlendes Wetter vor mit einer Sichtweite von 25 km.
Fortsetzung folgt