Notizen aus dem Luftfahrtfotografie-Vortrag des Berufsfotografen Hidetaka Motoi
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einem Vortrag über Luftfahrtfotografie von Hideki Motoi teilzunehmen, und habe meine damaligen Notizen zusammengefasst.
Herr Motoi ist ein professioneller Fotograf mit über 50 Jahren Erfahrung in der Luftfahrtfotografie und hat viele Jahre lang in der bekannten Zeitschrift für Luftfahrtenthusiasten (Kokuu Fan) eine Serie über Fotografie veröffentlicht; der Chefredakteur der Zeitschrift war ebenfalls zu diesem Vortrag erschienen. Ich kenne ihn schon seit langer Zeit. Es war mir eine Ehre, diesem dreistündigen Vortrag persönlich beiwohnen zu dürfen. Übrigens hatte dieser kleine Vortrag weniger als 30 Teilnehmer; die meisten waren 50 bis 60 Jahre alt oder älter, und ich gehörte zu den Jüngeren – es scheint, als ob die Altersgruppe der Luftfahrtfotografie-Enthusiasten eher älter ist.
Zuerst führte Herr Motoi einen Ansatz ein: Das Betrachten jedes Fotos durchläuft vier Phasen: „Aufnahme“ – „Auswahl“ – „Nachbearbeitung“ – „Teilen mit anderen“. Erst die Teilhabe am gesamten Prozess macht den Spaß an der Fotografie aus – eine ziemlich interessante Sichtweise. Die Auswahl ist vermutlich die schwierigste Aufgabe, da sie das künstlerische Gespür und die Ausdrucksweise als Grundlage erfordert. Außerdem erzielt man bei der Aufnahme von Flugzeugen oft gute Effekte, wenn man die gekrümmten Glanzlichter (Highlights) der Zelle hervorhebt.
Im Anschluss stellte Herr Motoi seine Ausrüstung und die verschiedenen Einstellungen vor; im Folgenden liste ich sie einzeln auf.
Kamera: Er nutzt hauptsächlich die Nikon D810, Festobjektive 300 mm f/4 und 35 mm f/1.8 sowie das Zoomobjektiv 70–200 mm f/2.8. Zur Frage Vollformat oder APS-C rät er aus Bildqualitäts-Sicht dringend zum Vollformat.
Zu der Pixelanzahl meint er, dass für den normalen professionellen Druck etwa 12 Megapixel ausreichen; deshalb sei ein gutes Objektiv wichtiger als eine hohe Pixelzahl.
Zum Dateiformat: Er verwendet 14-bit RAW, was für die Helligkeitsabstufungen von Vorteil ist. Auch bei der Nutzung von RAW darf man die Belichtungsparameter keinesfalls vernachlässigen.
Zum Autofokus-Bereich: Er wählt meist den schärfsten Teil des Flugzeugs, etwa das Cockpit-Fenster, orientiert sich dabei aber auch an der Komposition. Er nutzt häufig das Autofokus-Nachführmodus und passt den Fokuspunkt je nach Flugzustand des Flugzeugs laufend an.
Zur Belichtungszeit: Entscheidend ist, je nach Motiv zu überlegen, was unscharf (verwischt) dargestellt werden soll! Zum Beispiel: am Boden Gebäude und Bäume im Hintergrund, in der Luft Wolken, bei zwei Flugzeugen eines von beiden – sprich: Dynamik darstellen. Ein einzelnes Flugzeug unter blauem Himmel wirkt im Bild oft monoton und ohne Tiefe. Selbstverständlich ist für Flugzeugfans die Detailfreude ein Genuss, aber man sollte auf den Verwisch-Effekt achten. Er arbeitet häufig mit Belichtungszeiten zwischen 1/125 und 1/800 Sekunde; bei rein blauem Himmel sind auch 1/1000 Sekunde möglich.
Zu Picture Control: Er legt meist eigene Einstellungen an. Für die D810 als Beispiel: ausgehend von „Flat“ wählt er Konturen +2, Schärfe +2, Kontrast +2, Sättigung +1,5.
Zur Belichtung: Blende und Belichtungszeit meist manuell, ISO jedoch automatisch – also eine Art Halbautomatik. Unter besonderen Bedingungen, etwa sehr hellem Hintergrund oder eingeschalteten Landelichtern, kommt es oft zur Unterbelichtung; dann wird auch die ISO manuell eingestellt.
Zur Belichtungsmessung: Er nutzt die Spotmessung auf Lichter (Highlight-Weighted) der D810, um sicherzustellen, dass die hellsten Bildbereiche nicht überbelichtet werden. Meine Canon-Kamera scheint diese Funktion leider nicht zu haben.
Zur Belichtungskorrektur: Wegen der oben genannten Lichter-Spotmessung korrigiert er bei Flugzeugaufnahmen in der Regel nicht. Für Landschaften verwendet er −0,3, bei Personen +0,3.
Zum Dynamik-D-Lighting der Kamera nutzt er es kaum, setzt die Funktion aber in der Software-Nachbearbeitung ein.
Zum Weißabgleich: Außen nutzt er meist das Sonnen-Modul, drinnen oder bei gemischten Lichtquellen das Automatik-Modul.
Zur ISO: Am besten immer die Basisempfindlichkeit. Tagsüber nutzt er meist 64–1600, nachts unter 8000.
Zur Rauschunterdrückung: Es gibt Farbrauschen (oft gelb-grünlich) und Helligkeitsrauschen (oft schwarze Punkte). Er nutzt kaum die Rauschunterdrückung der Kamera; in der Nachbearbeitung reduziert er mit Software – erst Farbrauschen (z. B. −2), dann Helligkeitsrauschen (z. B. −1).
Zum Speicherformat: Natürlich RAW. Vor allem weil sich die Software weiterentwickelt: ältere Aufnahmen mit neuer Software zu bearbeiten, liefert oft bessere Ergebnisse.
Zur Brennweite: Ab 400 mm wird das Flimmern (Hitzeflimmern, Heat Haze) oft problematisch; meist reicht 300 mm.
Zoom oder Festobjektiv: Wer Bildqualität sucht, wählt eindeutig Festobjektive – man muss je nach Bedarf entscheiden; beides zugleich ist kaum machbar. Achtung bei alten Objektiven: Die Technik entwickelt sich weiter; nutze moderne Objektive, die für aktuelle Gehäuse konzipiert sind.
Zur Blende: Nicht nur die Schärfentiefe beachten – unbedingt den Einfluss auf die optische Leistung im Blick haben! Die Blende beeinflusst die Bildqualität stark: Auflösung, chromatische Aberration, Objektivglanz (Geisterartefakte, „Ghosting“; Streulicht, „Flare“), Fehlfokus/Verwischungsunschärfe, Bildqualität über das Bildfeld. Abblenden verbessert Auflösung und Feldgleichmäßigkeit am stärksten; chromatische Aberration und Streulicht werden etwas reduziert; die Fokusunschärfe wird kaum beeinflusst. Er öffnet die Blende nur in besonderen Situationen, wenn er ein weicheres, „flares“-haltiges Ergebnis möchte. Für Schärfe schließt er meist 2–3 Blendenstufen ab, meist um f/8. Ab f/11 verschlechtern sich Schärfe und Kontrast, ab f/16 dominiert die Beugungsunschärfe. Wenn er dennoch f/16 nutzen muss, gleicht er die Schärfe in der Nachbearbeitung aus.
Zur Bildstabilisierung: Für die Bildqualität unbedenklich; er nutzt meist den Sport-VR-Modus von Nikon.
Zu Konvertern (Telekovertern): Da sie die Bildqualität beeinflussen, nutzt er sie kaum.
Filter vor dem Objektiv: Bei Digitalkameras sind UV-Filter nicht mehr nötig (anders als bei Film). Da sie die Bildqualität beeinträchtigen können und Streulicht verursachen, nutzt er sie kaum.
Zur Nachführung (Mitzieh-Aufnahme): Nutze die Stirn als Drehpunkt – das手持elfäßig. Während der Körperbewegung die Füße nicht versetzen, sondern die Taille drehen, um dem Flugzeug zu folgen.
完
Nachtrag, 12.06.2015
Heute bekam ich eine Postkarte von Herrn Motoi – danke!
